Der Faschismus kam nicht über Nacht

Aus der Geschichte lernen heißt, die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen. Ein alt bekannter Satz, der für mich immer wieder aufs Neue wahr ist. Diese Erkenntnis liefert auch – immer wieder – einen neuen Grund, sich mit der Geschichte unseres Landes zu befassen. Das lässt mich verstehen und gibt – auch immer wieder – Antrieb dafür, all meine mir verfügbaren Kräfte für die Gestaltung einer sozialen und demokratischen Gesellschaft einzusetzen. Gemeinsam mit 15 jungen Grünen machten sich mein Landesverstandskollege Florian und ich auf zu einem antifaschistischen Stadtrundgang durch die Bremer Innenstadt, zu dem wir als Referenten Raymund Gaebelein von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der AntifaschistInnen geladen hatten.

Die Geschichte Bremens in den Jahren 1933 – 1945 zeugt an vielen markanten Punkten in der Innenstadt von faschistischem Terror, von der Verfolgung führender Mitglieder von Arbeiterparteien, von der Deportation des jüdischer Bevölkerungsteils, von Zwangsarbeit, Gestapofolterung und Sondergericht. Mir ist wichtig, dass dies nicht in Vergessenheit gerät. Zumal es nur wenige Hinweise in der Innenstadt zu finden sind.

Dass der Faschismus nicht über Nacht kam, zeigte sich u.a. daran, dass zahlungskräftige Interessenten an seiner Errichtung beteiligt waren. So schwor der Vizepräsident der Handelskammer die Bremer Kaufmannschaft am 16.3.33 in der Börse (heutige Bremische Bürgerschaft) auf Adolf Hitler ein. In der Böttcherstraße erinnert das von Prof. Bernhard Höttger geschaffene Bild des Lichtbringers an Adolf Hitler. Bei genauer Betrachtung des Bildes ist erkennbar, dass die kleinen Figuren einen Arm zum Hitlergruß strecken.

Aber es gab auch Widerstand gegen den faschistischen Terror in Bremen. Und dies bereits vor 1933. So hielt der damalige kommunistische Abgeordnete Hermann Prüser am 10. März 1933 in der Bremischen Bürgerschaft die letzte freie Rede in einem deutschen Parlament und dies, obwohl die damalige Börse (in der die Bürgerschaft damals noch tagte) bereits von der SA umzingelt war.  Im April 1933 regnete es in die Obernstraße vom Dach des Kaufhauses Karstadt Flugblätter. Mitglieder der internationalen Seeleutegewerkschaft warnten auf ihnen vor der Übernahme der politischen Macht durch die NSDAP.

Ein Denkmal am Landherrenamt erinnert uns an die fünf Bremerinnen und Bremer jüdischer Herkunft, die in der Pogromnacht des 9. November von Faschisten ermordert wurden. Die Synagoge in der Gärtnerstraße (heute Kolpingstraße) fiel am 9. November 1938 ebenfalls dem organisierten faschistischen Terror zum Opfer. Sowie die Statue des „Freiheitskämpfers“ an der Ostertorwache an die Opfer erinnert, die von der Gestapo verhört und gefoltert wurden, fehlen noch Mahntafeln, die in der touristischen Innenstadt  an die faschistischen Verbrechen erinnern.

Posted by:

Susanne Wendland

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