*Die Grohner Düne – Bezahlbares Wohnen sicherstellen

Die Grohner Düne ist eine Großwohnanlage im Bremer Norden, 15-geschossige Bebauung, 570 Wohnungen. Hier wohnen ca. 1.700 Menschen. Von diesen kamen ca. 87% aus anderen Ländern zu uns. Die Düne liegt super. Im Zentrum von Vegesack, ein großes Einkaufszentrum und ein Bahnhof um die Ecke, dann der Hafen, Weser, Lesum. Seit mehreren Wochen ist die Düne wieder einmal in aller Munde. Nicht nur, weil sie zum Spekulationsobjekt sog. Heuschrecken-Firmen – zur Zeit der Grand City Property – geworden ist, sondern auch, weil ihr ein schlechtes Image anhaftet. Die Dühne wird mit ihren Bewohner_innen hoch stigmatisiert. Zu diesen beiden Aspekten möchte ich meine Gedanken einfließen lassen; einfließen lassen in die Debatte darüber, wie die Menschen in der Düne dabei unterstützt werden können, ihre Lebenssituation zu verbessern und wie wir bezahlbares Wohnen in der Düne weiterhin sicherstellen können.

Ein schlechtes Image haftet der Düne an, weil die Bewohner_innen der Düne seit Jahren heftigster Stigmatisierung ausgesetzt sind. Stigmatisierung ist Zuschreibung; ist Verbreitung von bestimmten Bildern in den Köpfen der Menschen, angefeuert durch Sprachbilder, die Medien und andere Vertreter und Entscheider verankern (wollen). Die Düne gilt als der „soziale Brennpunkt Bremens“, sie sei ein „sozial schwacher Stadtteil“, ja zum Teil seien sogar die Kinder dort „sozial schwache Kinder“. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass es in der Düne Probleme gibt – städtebauliche Probleme, schlechte Wohnverhältnisse, Eigentümer ohne Investitionsbereitschaft, ein schlechtes Image, materielle Armut. Aber was soll das denn sein, ein „sozial schwacher“ Mensch, oder sogar „ein sozial schwacher“ Stadtteil? Ich selbst verwende diese Begrifflichkeit nicht. Denn „sozial schwach“ beinhaltet nicht nur, dass die Menschen wenig Geld in ihrer Geldbörse haben. Sondern konkret wird hier ein Fakt, nämlich dass die Menschen wenig Geld zu Verfügung haben, damit gleichgesetzt, dass diese Menschen auch soziale Probleme haben oder sogar solche erzeugen würden, wie z.B. sie hätten keine soziale Ader, Kommunikationsprobleme, Alkohol- und andere Suchtprobleme, und seien kriminell. Ich finde, dass das nicht nur diskriminierend ist. Hier wird ein Zusammenhang konstruiert, den es gar nicht gibt: Wer über wenig Geld verfügt wird gleichgesetzt mit wenig Menschlichkeit. Das finde ich menschenverachtend. Doch das inszenierte Bild hallt nach in den Köpfen der Menschen.

Richtig ist, dass die Bewohner_innen in der Grohner Düne in ihrer Wohn- und Lebenssituation benachteiligt sind; besonders mangels fehlender Perspektiven, aber auch, weil sie ihr tägliches Überleben zermürbt. Dies ist strukturell bedingt. Viele von ihnen wollen arbeiten gehen, finden aber keine gut bezahlte Arbeit. Stattdessen müssen sie sich in prekären und schlecht bezahlten Arbeitsverhältnissen bewegen, müssen beim Amt aufstocken, sind oft verschuldet oder von Überschuldung bedroht, sind daher oftmals in Existenzängsten gefangen, befinden sich in ungeklärtem und ungesichertem Aufenthaltsstatus und hinzu kommen zum Teil beengte und zum Teil schlechte Wohnverhältnisse. Armut wird damit strukturell zementiert. Ich meine, dass diese Menschen unsere Achtung verdienen, unsere Wertschätzung. Ich finde, es kommt auf unsere Haltung an, darauf, dass wir sie ernst nehmen. Damit die Wohn- und Lebensverhältnisse der Bewohner_innen der Düne verbessert werden können, müssen wir hingehen, mit ihnen sprechen und zuhören. Zuhören, um zu verstehen, und aufzunehmen, um ihre Gedanken und Ideen in mögliche Lösungen zu gießen, um mit ihnen gemeinsam neue Perspektiven zu entwickeln und zu verwirklichen.

Perspektiven, die es zum Beispiel möglich machen, dass gerade auch die junge Menschen aus der Düne trotz ihrer Adresse und ihrer Nachnamen eine reale Chance auf einen Praktikums- und Ausbildungsplatz erhalten, dass die Bewohner_innen wirklich beteiligt werden, also nicht nur angehört werden, sondern mitentscheiden können, dass die Kitas zu echten Familienzentren werden, damit Eltern eingebunden und ihnen auch Weiterbildungsmöglichkeiten und gezielt Arbeits- und Beschäftigungsangebote gemacht werden können, Abschiebungen verhindert, Aufenthaltsstatus verbessert, internationales Zusammenleben begrüßt werden; nicht zu letzt bedarf es von kommunaler Seite aus einer bereichsübergreifenden Handlungsstrategie, um die Düne nicht nur aus ihrem schlechten Image herauszuholen, sondern dort auch weiterhin bezahlbaren Wohnraum zu ermöglichen.

Noch ein paar Gedanken: Um die Grohner Düne wurde in den letzten Wochen eine hemmungslose populistische Debatte über die Frage geführt, ob der Grüne Bausenator und die GEWOBA versagt haben, weil sie den Kauf der Düne verpasst hätten. Dazu möchte ich auf meinen Blog keine Plattform geben, dies haben andere bereits ausführlich getan. Stattdessen möchte ich dafür werben, unser Augenmerk darauf zu lenken, wie wir in Zukunft auch weiterhin sicherstellen, dass die Wohnungen in der Düne bezahlbar bleiben. Ein Großteil der Wohnungen der Düne befinden sich im Großen und Ganzen in einem guten Zustand. Fast alle Wohnungen sind auch vermietet, und das zu einem bezahlbaren Preis. Damit auch in Zukunft die Mieten in der Düne bezahlbar bleiben spricht alles dafür, die Grohner Düne zu kaufen. Denn schon jetzt beklagen die Bewohner_innen Schimmelbefall in ihren Wohnungen. Die Fahrstühle funktionieren oft nicht, was besonders für Mütter mit vielen Kindern und ihren Einkäufen ein erhebliches Problem darstellt. Die Treppenhäuser erscheinen oft verwahrlost und die Eltern haben Angst, ihre Kinder im Innhof spielen zu lassen, weil es dort nicht sicher ist. Dies sind gute Gründe für Bremen, Geld in die Hand zu nehmen, um die Düne zu kaufen. Um mehr Mitsprache zu haben, z.B. dann, wenn es Probleme mit dem Strom gibt, um einen besseren Service- und Kontaktpflege zu ermöglichen, schlechte Wohnzustände durch Instandsetzung zu beseitigen und städtebaulich betrachtet den Innenhof z.B. durch einen Arkadengang einsehbar zu machen. Zudem könnte und würde die GEWOBA ihrer Aufgabe sicherlich gut nachkommen.

Hier geht es zu unserem parlamentarischen Antrag.

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